Sue Monk Kidd: Die Erfindung der Flügel

Das Tolle an dem Buch ist, dass es auf historischen Tatsachen und verbürgten Personen beruht – ansonsten wäre es etwas belanglos und weitschweifig.

Mit Sarah Grimké greift Bestsellerautorin Sue Monk Kidd – bekannt durch ihren Erfolg „Die Bienenhüterin“ – auf eine historische Persönlichkeit zurück, die selbst in den USA mittlerweile so gut wie vergessen ist, dabei waren sie und ihre Schwester Angelina die ersten Frauen, die die Bewegungen des Abolitionismus mit den Frauenrechten verknüpften, Sarah verfasste sogar das erste feministische Manifest. Rückblickend gilt die Bewegung für die Rechte von Schwarzen und die Abschaffung der Sklaverei als Geburtsstunde des Feminismus.

In dem Roman „Die Erfindung der Flügel“ verknüpft Monk Kidd das Leben von Sarah, sofern sie es aus Zeitdokumenten ermitteln konnte, mit dem völlig fiktiven der Sklavin Handful, die etwa in Sarahs Alter ist und ihr zum elften Geburtstag geschenkt wird. Seit Sarah Zeugin einer brutalen Bestrafung einer Sklavin auf der elterlichen Plantage in Charleston wurde, stottert sie und entwickelt eine zunehmende Ablehnung der Sklaverei. Weil sie Handful nicht zurückgeben darf, ersinnt sie eine andere Form der Befreiung und bringt Handful das Lesen und Schreiben bei. Die beiden Mädchen freunden sich an, teilen Geheimnisse – doch eine Kluft bleibt: eine weiß und privilegiert, eine schwarz und versklavt, Tochter einer Frau, die alles tut, um ihre Herrschaft zu ärgern und für die brutalen Lebensbedingungen, die sie ihr auferlegt, büßen zu lassen.

Irgendwann verlässt Sarah Charleston und sucht Anschluss an die Quäker von Philadelphia, erst nur aus einer Verliebtheit heraus, später aus Überzeugung, sogar mit dem Wunsch, dereinst Quäker-Predigerin zu werden – ein Amt, das Frauen in den meisten Kirchen verwehrt bleibt. Doch erst als sich ihre Schwester Angelina Sarah anschließt, beginnen sie offensiv, gegen die Sklaverei anzugehen. In Frauenkreisen sollen sie Vorträge halten – doch die verbale Macht der so unterschiedlichen Schwestern zieht bald auch neugierige Männer an, aus kleinen Gemeinderäumen werden prall gefüllte Vortragssäle … ein Dorn im Auge der männlich dominierten Abolitionistengesellschaft. Schließlich müssen Frauen bei aller Redekraft ihren Platz kennen.

Trotz ihrer hehren Ziele und großen Aufgaben, trotz der Risse in ihrer Freundschaft, vergisst Sarah Handful nicht und kehrt ein letztes Mal zurück, um ein Versprechen zu erfüllen, das sie einst Handful Mutter gab …

Die Handlung wechselt sich zwischen Sarah und Handful ab, eine schwarze und eine weiße Stimme treiben die Handlung voran, die zwischen dramatischen historischen Ereignisse und Alltagsbelangen wechselt, Sklavenfanatiker ebenso berücksichtigt wie schwarze Rebellen, die alles tun, um nicht nur Sklaverei abzuschaffen, sondern die Weißen für ihre Taten zu bestrafen. Monk Kidd beschreibt die Breite der Gesellschaft, auf beiden Seiten, bedient sich eines historischen anmutenden, leichten Tons … und schafft es leider doch nicht, mich zu berühren. Wenn das Nachwort nicht gewesen wäre, in dem sie erfreulich ausführlich die historische Sachlage darlegt, hätte ich das Buch recht enttäuscht zugeschlagen, aber so bleibt wenigsten das neu erlangte Wissen über die Grimké-Schwestern, den Vorreiterinnen des Feminismus. Zum einen halte ich die recht offenen Diskrepanzen zwischen Hetty und Sarah für unglaubwürdig, zum anderen fehlt einfach ein Spannungsbogen, die Handlung plätschert auf immerhin 480 Seiten vor sich hin, sodass wir hier sicher eine hübsche Saga haben, aber eben auch nicht mehr.

Über die Autorin: Sue Monk Kidd (*1948 in Sylvester, Georgia, USA) studierte Gesundheits- und Krankenpflege, bevor sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Ihre zwei ersten Romane, „Die Bienenhüterin“ und „Die Meerfrau“, wurden verfilmt, die Filmrechte an „Die Erfindung der Flügel“ liegen derzeit bei Oprah Winfrey.

Über die Übersetzerin: Astrid Mania ist promovierte Kunsthistorikerin und lebt als freie Autorin, Dozentin und Übersetzerin in Berlin. Sie arbeitete u. a. an der Kunstakademie, an der UdK Berlin und der HGB Leipzig und schreibt regelmäßig für den Kunstmarkt und das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung sowie für das Artforum International.

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