Franz Hohler: Das Päckchen

Es beginnt rätselhaft, aber harmlos: Als Ernst vom Berner Hauptbahnhof aus seine Frau anrufen will, klingelt plötzlich der öffentliche Telefonapparat neben seinem, und Ernst nimmt ab. Am anderen Ende ist eine offenbar verwirrte, ältere Dame, die ihn mit Namen anspricht und um Hilfe bittet. Kurz entschlossen fährt Ernst zu ihr. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf …

Denn die alte Frau hat Angst vor zwei Männern, die immer wieder zu ihr kommen und nach einem Buch fragen – und das will sie nun loswerden. Ernst nimmt es mit, nur um zu Hause zu entdecken, dass es sich um den „Abrogans“ handelt, das älteste überlieferte Buch in deutscher Sprache. Ist es echt? Eine Fälschung? Sind die Unbekannten dahinter her, weil es ein Vermögen wert ist? Und wie kam die alte Dame in dessen Besitz? Fragen über Fragen bewegen Ernst, und er macht sich auf den Weg, um Antworten zu finden.

Parallel zu Ernsts Suche hat Erfolgsautor Franz Hohler die fiktive Geschichte des Benediktinermönchs Haimo eingeflochten, der im 8. Jahrhundert von seinem Abt den Auftrag bekommt, ein Glossar lateinischer Begriffe und ihrer althochdeutschen Übersetzung aufzuschreiben – die Geburtsstunde des „Abrogans“. Nach Fertigstellung des Werks soll Haimo es über mehrere Zwischenstationen ins Kloster nach Montecassino bringen. Die Reise von mehreren Jahren stellt den jungen Mönch vor mehr als nur eine Herausforderung, vor allem weil ihn Maria begleitet, die Frau, die er liebt …

„Das Päckchen“ ist eine spannende Abenteuergeschichte auf zwei Zeitebenen. Während ich damals von „Gleis 4“ nicht so angetan war, macht der Neuling des Autors, der in großen Teilen in der beeindruckenden Schweizer Bergwelt angesiedelt ist, einfach nur Spaß. Seine Sprache ist etwas umständlich, nun gut, und auch inhaltlich gibt es die ein oder andere Ungereimtheit – aber für die Ausflüge ins Skurrile ist der Autor bekannt, und wer sich darauf einlässt, darf sich auf kurzweilige Unterhaltung freuen.

Über den Autor: Franz Hohler (* 1943 in Biel, Schweiz) lebt in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Autoren. Er begann ein Germanistik- und Romanistikstudium in Zürich, das er jedoch zugunsten einer Kabarett-Karriere abbrach. Als erfolgreicher Künstler und Schriftsteller wurde er mit zahllosen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Alice Salomon Poetik Preis und dem Solothurner Literaturpreis.

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