Arnaud Dudek: Strand am Nordpol

Klein, aber oho!

Dudek_9.indd

 

„Strand am Nordpol“ erzählt uns die Geschichte zweier Menschen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben: Jean-Claude und Françoise. Ein Herr im besten Alter und eine Dame im Ruhestand, die ihren Ehemann verloren hat. Was als Zufallsbegegnung beginnt, entwickelt sich zu einer alles verändernden Freundschaft.

Françoise mag alt sein, aber auf den Kopf gefallen ist sie nicht. Als sie durch Zufall Jean-Claude kennenlernt, dessen Digitalkamera sie findet und zurückgeben möchte, nutzt sie die Gelegenheit, als er ihr anbietet, sie mit der digitalen Welt bekannt zu machen. Sie ist seit zehn Jahren Witwe, wissbegierig und hat nichts mehr zu verlieren. Warum also nicht im Internet einen neuen Mann kennenlernen? Und Jean-Claude hat gerade ohnehin Zeit: Nach seinem Jobverlust und der Scheidung von seiner Frau musste er wieder bei seinen Eltern einziehen, und bis er eine neue Stelle findet, kann er auch Françoise Nachhilfe in der modernen Welt geben.

Die gemeinsame Zeit nutzen sie aber bald nicht mehr nur dafür, sondern auch um sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen, ihre Probleme, ihre Sorgen, ihre Wünsche und Träume. Dabei breiten sich nicht nur ihre Leben vor uns aus wie ein farbenprächtiges, lebendiges und sehr gefühlvolles Panorama, sondern auch die einiger Nebenfiguren. Das Grandiose an diesem Roman ist aber die oft humorvoll selbstanalytische Erzählstimme. Der Erzähler ist keine blasse Figur im Hintergrund, nein, er führt ein interessantes Eigenleben, kritisiert die Figuren, korrigiert sie auch gern, erklärt uns, warum er mal eben von der Hauptgeschichte abweicht, füllt Pausen, die seiner Meinung nach langweilig für uns wären, mit spannenderen Details und hat allerhand weitere Tricks auf Lager, um dieses Buch zu einem wahren narrativen Überraschungswerk werden zu lassen. So wird der kleine Lesehappen (122 Seiten) zu einem fulminanten Kunstwerk.

Über den Autor: Arnaud Dudek (* 1979 in Nancy, Frankreich) ist ein erfolgreicher französischer Autor und war für sein Debüt für den Prix Goncourt du premier roman nominiert. „Strand am Nordpol“ ist sein dritter Roman, mit dem er zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde.

Über die Übersetzerin: Bettina Deininger (* 1970) ist Verlegerin des Austernbank Verlags, in dem die deutsche Ausgabe von „Strand am Nordpol“ erscheint. Das Buch ist Teil der Präsentation des Gastlandes der Frankfurter Buchmesse 2017, Frankreich: https://vimeo.com/187948599

Arnaud Dudek: Strand am Nordpol. Austernbank Verlag: 2016. Hardcover, 122 Seiten.

Advertisements

2 Gedanken zu “Arnaud Dudek: Strand am Nordpol

  1. Pingback: Unvorhergesehen – Arnaud Dudek „Strand am Nordpol“ – Zeichen & Zeiten

  2. Pingback: So endet 2016 | LiteraturZeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s