Rachel Elliott: Flüstern mit Megafon

Fast so großartig wie Zsuzsa Bánk!

Rachel Elliott, Flüstern mit Megafon

 

 

Nach einer traumatischen Kindheit hat Miriam seit Jahren das Haus nicht verlassen. Sie flüstert nur und hat zahlreiche Manien entwickelt. Nach tagelanger Vorbereitung ist sie nun zum ersten Mal seit Langem dazu bereit, einen Schritt hinaus in die Welt zu wagen.

 

 

Für Miriam ist Ausgelassenheit ein ungewohnter Zustand, weil die Standardeinstellung ihrer Persönlichkeit „Melancholie, gepaart mit freundlicher Zurückhaltung“ ist, was wie ein Raumspray für Introvertierte klingt.

Ralphs Leben hingegen funktioniert gut: Er ist ein erfolgreicher Psychotherapeut, hat eine Ehefrau und zwei Söhne … doch eines Tages erfährt er, dass seine Frau ihr ganzes gemeinsames Leben auf twitter und ihrem Blog veröffentlicht, sie ist lieblos und kalt und seine Söhne sind mürrisch undurchsichtig. Ralph sieht ein: Sein Leben läuft gar nicht wie erhofft, eigentlich ist er chronisch unzufrieden und unglücklich. Er muss raus!

Die Erinnerung ist ein Minenfeld, das Gedächtnis ein Krisengebiet. So viele Menschen befinden sich im Krieg mit sich selbst.

In diesen Situationen treffen Ralph und Miriam aufeinander, beide bereit, etwas zu ändern und sich auf das Abenteuer des jeweils anderen einzulassen (und nein, ich rede nicht von einer Affäre). Jeder stößt im anderen etwas an, das beider Leben komplett verändert. Miriam wird mutiger, Ralph wird sich bewusst, was er will – nämlich seine Frau Sadie, doch die orientiert sich sexuell gerade um …

Liebevoll und witzig, melancholisch und wunderbar beschreibt Rachel Elliott die Leben von Miriam, Ralph und Sadie. Dabei spart sie nicht mit geistreichen Kommentaren und scharfsinnigen Beobachtungen sowohl sprachlicher Natur als auch bezüglich des Lebens an sich. Miriam ist vielleicht nicht ganz „normal“ – wobei sich natürlich sofort die Frage stellt, was normal ist –, doch ihr Oberstübchen funktioniert einwandfrei, denn ihre Einstellungen und Feststellungen sind weitaus klüger als die aller „Normalen“. Und Ralph, der Mann, der anderen hilft, ihr emotionales Leben ins Lot zu bringen, weiß selbst nicht, was er fühlen soll. Elliott stellt einiges auf den Kopf – und das keineswegs exponiert, sondern einfach, weil es genauso ist!

Sprachlich die reinste Freude, inhaltlich auch! Wann erscheint das nächste Buch von Rachel Elliott? Ich will mehr!

Über die Autorin: Rachel Elliott (*1972 in Suffolk) arbeitet als Autorin und Psychotherapeutin in Bath. Nach zahlreichen, preisgekrönten Kurzgeschichten ist „Flüstern mit Megafon“ ihr erster Roman.

Über die Übersetzerin: Verena Kilchling (* 1977 in Freiburg im Breisgau), studierte in Düsseldorf Literaturübersetzung und überträgt Romane und Kurzgeschichten aus dem Englischen und Spanischen.

 

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3 Gedanken zu “Rachel Elliott: Flüstern mit Megafon

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