Stephan Orth: Couchsurfing im Iran

Stephan Orth ist Journalist bei Spiegel Online, reiseverliebt und seine Botschaft lautet: Verwechselt nicht die Bilder aus den Nachrichten mit der Realität, denn „die Realität [ist] in jedem Land zehntausendmal vielfältiger […], als sie gezeigt wird.“

Stephan Orth, Couchsurfing im Iran

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Buch ist aus einer mehrwöchigen Reise durch den Iran hervorgegangen. Orth kontaktierte im Vorhinein zahlreiche Couchsurfer über facebook und organisierte Schlafmöglichkeiten, sofern möglich. Vor Ort ging es ans Feintuning, nun wurden die Pläne konkret, mehr Leute angeschrieben, die Reiseroute festgelegt und stets umgeworfen, wenn sich eine attraktive Gelegenheit bot. Der Vorsatz: Auf alles eingehen, was die Gastgeber anbieten, ob nächtliches Angeln, BDSM-Partys oder Safranpflücken. Seine Reiseroute begann und endete in Teheran, dazwischen besuchte er Kaluts, Kerman, Shiraz, Marivan, Abbad Abad und viele mehr – hauptsächlich aber besuchte er die Menschen in diesen Städten, auch wenn das hieß, so manche Sehenswürdigkeit außer Acht zu lassen. Andererseits sah er so auch einiges, das in keinem Touristenführer steht.

Orth berichtet in seiner lebendig erzählten, mitreißenden und sehr sympathischen Reportage von Menschen wie du und ich. Junge Menschen suchen nach Perspektiven und finden sie nicht – sie wenden sich im Geheimen gegen ein Regime, das sie einsperrt. Kleine Revolten, etwa das Kopftuch nicht ganz über die Haare zu ziehen, sich heimlich im Park zu treffen, Alkohol selbst zu brennen, prägen diese Generation. Jeder wahrt nach außen hin den Schein von strenger Sittenmoral und Religion, aber im Geheimen, hinter fest verschlossenen Türen und blickdichten Vorhängen, versuchen die Menschen das gleiche Leben zu führen wie wir im Westen: Partys, Alkohol, Facebook. Man merkt Orths Bericht an, wie sehr ihm die Menschen am Herzen liegen. Sie sind großzügig und gastfreundlich – vielleicht das gastfreundlichste Land der Welt –, sie lieben das Leben, sind gut ausgebildet und offen für alles Neue, auch wenn das bedeutet, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem sie Gäste aus dem Ausland aufnehmen.

Fazit: Eine tolle Kultur, ein sehenswertes Land, tolle Menschen, ein lebendiger Bericht! Lesen!

Über den Autor: Stephan Orth (* 1979) studierte Anglistik, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Journalismus. Er arbeitet seit 2008 als Redakteur im Reiseressort bei Spiegel Online und wurde für seine Reportagen mehrfach mit dem Columbus-Preis ausgezeichnet.

 

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4 Gedanken zu “Stephan Orth: Couchsurfing im Iran

  1. „Couchsurfing im Iran“ ist wirklich ein tolles Buch! Ich habe es vor einigen Wochen auch schon gelesen und finde es super, dass du es genauso lesenswert findest wie ich.

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