Christopher Brookmyre: Angriff der unsinkbaren Gummienten

Das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss!

Christopher Brookmyre, Angriff der unsinkbaren Gummienten

Mein Lesejahr – auch wenn es noch nicht ganz vorbei ist – hat mit diesem fantastischen Buch einen krönenden Abschluss gefunden. Ein parapsychologischer Krimi – was sollte das sein? Ich war neugierig.

Alles beginnt damit, dass das bekannte Medium Gabriel Lafayette aus den USA an einer schottischen Universität Rektor wird und während seiner Einführungsvorlesung mysteriösen Kontakt zu Geistern aufnimmt. Die Betroffenen, die Botschaften von geliebten Menschen aus dem Jenseits bekommen, sind schockiert und begeistert gleichermaßen. Gerade Laura, die vor kurzem ihre Mutter verloren hat, wird geradezu abhängig von dem Gefühl der Nähe zu der Verstorbenen und beginnt, bekannte Medien zu kontaktieren. Jeden Zweifel schiebt sie beiseite – ganz im Gegensatz zu Michael, der sogar eine Enttarnungsshow auf die Beine stellt und Lafayettes Tricks bloßlegt. Mit finanzkräftiger Unterstützung eines lokalen Multimillionärs, der dank Lafayette ebenfalls Kontakt zu seiner verstorbenen Frau aufnehmen konnte, erreichen Lafayette und der ihn erforschende Professor, Easy Mather, dass ein Lehrstuhl zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parapsychologie eingerichtet wird. Hier sollen Lafayettes faszinierenden Kontakte zum Jenseits untersucht werden. Um den wissenschaftlichen Wert der Experimente sicherzustellen und jede Schummelei auszuschließen, wird Jack Parlabane – der schon aus anderen Romanen von Brookmyre bekannt ist –, der neue Rektor der Universität und bekannter Zyniker, der garantiert an keine Geister glaubt, als Beobachter engagiert. Was er dabei erlebt, zieht ihm jeglichen Boden unter den Füßen weg … Doch kann das wirklich sein?

Die mysteriösen Vorgänge rund um Lafayette und die Experimente werden aus verschiedenen Blickwinkel geschildert – auch nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge, aber doch größtenteils chronologisch. Dabei ergibt der clevere Wechsel aus treuen Anhängern Lafayettes und den knallharten Skeptikern eine großartige verwirrende Stimmenmischung, die auch den Leser manchmal ratlos zurücklässt. So, wie es sich für einen Krimi gehört. Und wie es sich für einen parapsychologischen Krimi gehört, haben wir es hier nicht nur lebenden Stimmen zu tun.

Was uns dieser Roman sagen will? Gibt es Geister oder nicht? Das werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten – lest selbst … Aber noch ein Wort zum fantastischen Titel: Er geht zurück auf den Bühnenzauberer und Skeptiker James Randi, der all jene, die wider aller Beweise und besseren Wissens an Hokuspokus glauben wollen und von keinem Gegenbeweis umgestimmt werden können. Damit ist die Tendenz wohl schon recht deutlich und doch bleibt die wunderbare Aussage am Ende:

Ja, du hast die Freiheit, zu glauben, was du willst, aber du solltest dich verantwortungsvoll mit den Fakten vertraut machen und deine Überzeugungen damit in Übereinkunft bringen.

Ein großartiges Buch, das sich kritisch mit dem Glauben, dem westlichen Bildungskonzept und nebenbei mit dem Gesundheitssystem auseinandersetzt, während es vordergründig eine fesselnde Story rund um eine Geisterjagd erzählt. Oft mit schwarzem Humor, stets geistreich und witzig!

Über den Autor: Christopher Brookmyre (*1968 in Barhead, Schottland) studierte Englische Literatur und Theaterwissenschaften, arbeitete – wie Parlabane – als Journalist und lebt heute vom Schreiben. All seine Thriller sind gesellschaftskritisch und dabei höchst unterhaltsam. Innerhalb von acht Jahren veröffentlichte er 16 Romane, von denen drei auf Deutsch vorliegen. Ich freue mich auf mehr Lesestoff aus seiner Feder!

Über den Übersetzer: Hannes Meyer (* 1982 bei Kiel) studierte in Düsseldorf Literaturübersetzung und arbeitet seit 2007 als freier Literaturübersetzer.

 

 

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Ein Gedanke zu “Christopher Brookmyre: Angriff der unsinkbaren Gummienten

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